Deutsche Industrie- und Handelskammer
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Mo 21.04.2008
VDMA-Studie beziffert Schaden auf 7 Milliarden Euro

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat 2008 erneut Mitgliedsunternehmen zum Thema Produkt- und Markenpiraterie und ihren Abwehrstrategien befragt. Die diesjährige Studie zeigt: Unternehmen setzen sich sehr gezielt mit dem Problem auseinander. Insbesondere die Marktbeobachtung hat stark zugenommen, auch Maßnahmen zum technischen Kopierschutz sind auf dem Vormarsch.

Angeschrieben wurden ausgewählte Firmen als repräsentativer Ausschnitt der über 3.000 VDMA-Mitglieder und der 39 VDMA-Fachverbände. Gefragt wurde unter anderem, ob Unternehmensprodukte in unzulässiger Weise nachgebaut werden. Dies bedeutet, dass entweder Sonderschutzrechte wie z.B. Patent- oder Markenrechte verletzt werden oder der Nachbau in wettbewerbswidriger Weise erfolgt. 241 Unternehmen beteiligten sich an der Umfrage.

Die Ergebnisse in der Übersicht:

Jahresumsatzverlust 2007 liegt bei sieben Milliarden Euro
Die Herstellung und der Vertrieb von Plagiaten hat eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Dimension, die sich teilweise in erheblichen Umsatzeinbußen widerspiegelt. So meldeten 7 Prozent der betroffenen Unternehmen Umsatzverluste von mehr als 10 Prozent, bei 17 Prozent der Unternehmen wird der Schaden auf 5 bis 10 Prozent des Jahresumsatzes geschätzt. Zwischen 2 und 5 Prozent des Jahresumsatzes bezifferten 25 Prozent der betroffenen Unternehmen den Schaden. 21 Prozent der Unternehmen gab einen Verlust von 1 bis 2 Prozent an, 28 Prozent der Unternehmen bemisst den Verlust auf unter 1 Prozent des Jahresumsatzes.

Der Gesamtbranchenumsatz im Maschinen- und Anlagenbau betrug in 2007 rund 193 Milliarden Euro (2006: 167 Milliarden Euro). Aufgrund dieser Zahlen schätzt der VDMA den durch Produktpiraterie entstehenden Schaden für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau auf ca. sieben Milliarden Euro im Jahr.

Betroffenheit weiterhin hoch
Mehr als zwei Drittel der Unternehmen gaben an, von Produktpiraterie betroffen zu sein. Dies entspricht in etwa den Ergebnissen der Vorjahre.  Rückmeldungen kamen wieder aus allen Fachbereichen des Maschinenbaus, so dass von einer generellen Betroffenheit der Investitionsgüterindustrie gesprochen werden kann. Die Branchen, die am meisten genannt wurden, waren Armaturen, Antriebstechnik, Textilmaschinen und Werkzeugmaschinen.

Vor allem komplette Maschinen werden plagiiert
In 52 Prozent aller Fälle wurden ganze Maschinen nachgebaut. An zweiter Stelle mit 50 Prozent nannten Unternehmen diesmal Komponenten, gefolgt von Ersatzteilen mit 32 Prozent. Das äußere Erscheinungsbild wird auch für Maschinen immer wichtiger, dementsprechend steigen auch die Plagiatsmeldungen: 35 Prozent der betroffenen Unternehmen gaben an, dass das äußere Erscheinungsbild / Design kopiert wurde. Eine untergeordnete Rolle spielen Bedienungsanleitungen mit 10 Prozent sowie Verpackungen mit 8 Prozent.

Patente und Marken werden häufig verletzt
Betrachtet man die gewerblichen Schutzrechte, geben die Unternehmen an erster Stelle mit 35 Prozent Patentverletzungen an. Hier war eine deutliche Zunahme zu 2007 zu erkennen. Damals lag der Wert bei 29 Prozent. Nahezu unverändert blieben Zahlen bei der Verletzung von Markenrechten (30 Prozent), Gebrauchsmustern (15 Prozent) und Geschmacksmustern mit 7 Prozent.

China weiterhin „Spitzenreiter" als Herstellungsland der Plagiate
Bei den Herstellungsländern der Plagiate wurde China von 71 Prozent der betroffenen Unternehmen als Ursprungsland der Nachbauten genannt. Andere asiatische Länder sind Taiwan mit 12 Prozent, Indien mit 11 Prozent und Südkorea mit 10 Prozent.

Weitere Herkunftsländer von Plagiaten: 19 Prozent der Unternehmen gaben Deutschland an (in diesem Jahr zum ersten Mal gesondert ausgewertet), 14 Prozent Italien, gefolgt von der Türkei mit 8 Prozent.

Auch bei den Absatzmärkten der Plagiate ist China wieder an erster Stelle und wurde von 46 Prozent der betroffenen Unternehmen genannt. In erheblichem Maße sehen die Unternehmen aber auch mit 14 Prozent den Weltmarkt als Absatzmarkt der Fälschungen sowie den europäischen Markt mit 15 Prozent.

Das geographische Ausmaß des Problems „Produktpiraterie" für die Unternehmen zeigt sich bei der breiten Streuung der Rückmeldungen: Als Herstellungsländer wurden 37 Länder oder Regionen genannt, bei den Verbreitungsländern waren es sogar 57 verschiedene Absatzmärkte.

Marktbeobachtung und Messen für Unternehmen von Bedeutung
75 Prozent der Unternehmen wurden durch eigene Marktkenntnisse auf die Plagiate aufmerksam. Hier zeigt sich, dass Unternehmen wesentlich sensibler geworden sind. 2007 waren es noch 68 Prozent und 2006 nur 45 Prozent. Mehr als die Hälfte der Unternehmen fand Plagiate der eigenen Waren auf Messen. 46 Prozent der betroffenen Unternehmen wurden von Kunden darauf hingewiesen. Durch einen Absatzrückgang wurden 13 Prozent der Unternehmen auf den unerwünschten Wettbewerber aufmerksam (2007: 11 Prozent, 2006: 7 Prozent). Eine steigende Bedeutung erlangte das Internet als Informationsquelle: 28 Prozent der Unternehmen nahmen auf diesem Weg Kenntnis von Plagiaten (2007: 7 Prozent).

Unternehmen sind auf vielfältige Weise aktiv gegen Produktpiraterie
Nahezu jedes Unternehmen - ob betroffen von Produktpiraterie oder nicht - trifft Maßnahmen, um sich vor der Bedrohung durch Plagiate zu schützen: 75 Prozent der Unternehmen meldet gewerbliche Schutzrechte wie z. B. Patente oder Marken an. Weitere wesentliche Teile der Abwehrstrategie: Die sorgfältige Auswahl von Kooperationspartnern (58 Prozent) und der Know-how-Schutz durch Geheimhaltung (53 Prozent).

Technischer Kopierschutz im Vordringen
Die Möglichkeiten des technischen Kopierschutzes werden von 56 Prozent der Unternehmen genutzt: Dabei stehen Maßnahmen der Produktkennzeichnung (33 Prozent), konstruktive Maßnahmen (26 Prozent) sowie der Schutz durch Software (20 Prozent) im Vordergrund.

Allerdings gibt es auch ein großes Potenzial für den technischen Kopierschutz: 44 Prozent der Unternehmen nutzen ihn derzeit nicht, insb. da die derzeitigen Möglichkeiten sich nicht für das konkrete Produkt eignen (23 Prozent) und geeignete technische Maßnahmen grundsätzlich unbekannt sind (17 Prozent).

Unternehmen wehren sich und gehen an die Öffentlichkeit
Wenn Produktpiraterie-Fälle auftreten, treffen 56 Prozent der Unternehmen rechtliche Maßnahmen. 53 Prozent der Unternehmen gehen an die Öffentlichkeit und informieren z.B. ihre Kunden. Die Hilfe von Verbänden, Behörden und der Politik suchen 21 Prozent der Unternehmen.

Produktpiraterie / Innovationsschutz ist „Chefsache"
Bei den meisten Unternehmen (76 Prozent) ist die Strategie gegen Produktpiraterie auch bei der Geschäftsleitung angesiedelt. Die Entwicklungs-/Konstruktionsabteilung ist in 37 Prozent der Unternehmen dafür zuständig, die Mitarbeiter von Vertrieb/Marketing bei 32 Prozent sowie die Rechts-/Patentabteilung bei 28 Prozent der Unternehmen.

Bedrohung nimmt weiterhin zu
Nach Auffassung von 64 Prozent der Unternehmen - unabhängig davon, ob sie bereits von Produktpiraterie betroffen sind - hat die Schädigung oder Bedrohung durch Plagiate in den letzten 3 Jahren zugenommen. Nur 4 Prozent sehen keine wachsende Bedrohung, für 18 Prozent der Unternehmen ist keine Veränderung erkennbar, 14 Prozent der Unternehmen können keine Bewertung vornehmen.

Download der Ergebnisse >>

Weitere Informationen: www.vdma.org



Bildnachweis: VDMA / Bosch Rexroth 2005


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