Fr 5.09.2008Jeder Vierte kauft laut Umfrage gefälschte Markenprodukte
Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die mit Unterstützung des Markenverbandes erstellt wurde. Darin wurden 2.500 europäische Verbraucher zu ihrer Einstellung und 27 europäische Konsumgüterhersteller zu den Risiken durch Plagiate befragt.
Jeder vierte befragte Verbraucher hat bereits Plagiate gekauft. Der Kauf von gefälschten Markenprodukten ist weitgehend gesellschaftlich akzeptiert: Neun von zehn Verbrauchern sehen durch den Kauf einer Fälschung ihr Ansehen bei Freunden und Verwandten nicht gefährdet. „Unsere Studie zeigt, dass immer mehr Menschen ganz gezielt Plagiate kaufen, obwohl sie sich der möglichen Gefahren durchaus bewusst sind", sagt Thomas Harms, Partner bei Ernst & Young und Leiter der Branchengruppe Consumer Products.
Immerhin rechnen 67 Prozent der befragten Verbraucher mit Unfallrisiken, hervorgerufen durch die Verarbeitung minderwertiger Materialien. Schäden für ihre Gesundheit schließen 61 Prozent der Befragten nicht aus, 48 Prozent erwarten finanzielle Risiken. Ferner sind sich 74 Prozent der befragten Verbraucher bewusst, dass in die Herstellung und den Vertrieb von gefälschten Produkten kriminelle Banden involviert sind, und 79 Prozent der Befragten sind sich im Klaren darüber, dass Arbeits- und Umweltbedingungen vernachlässigt werden. Trotz des Bewusstseins verführt der günstige Preis des „falschen Schnäppchens" zum Kauf.
Unternehmen fordern bessere Verbraucheraufklärung sowie schärfere strafrechtliche Sanktionen für die Täter
„Die Zahlen machen einmal mehr deutlich, dass eine umfassende Aufklärung der Verbraucher entscheidender Hebel für die Bekämpfung von Marken- und Produktpiraterie bleibt. Gerade jüngere Menschen müssen für das Thema sensibilisiert werden", sagt Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Markenverbandes.
Dies fordern auch 70 Prozent der befragten Unternehmen. Genauso wichtig ist ihnen ein schärferes Strafrecht: „Es ist dringend erforderlich, die Abschreckung der Piraten durch eine Verschärfung der strafrechtlichen Sanktionen zu erhöhen. Bislang stehen die wirtschaftlichen Vorteile der Herstellung und des Handels mit Plagiaten in keinem Verhältnis zum Risiko, das die Täter eingehen. Die Politik muss hier zügig handeln und beispielsweise Mindeststrafen einführen", so Kannengießer.
Trotz der hohen Betroffenheit - zwei Drittel der Unternehmen geben an regelmäßig betroffen zu sein - nehmen die Hersteller bislang überwiegend noch keine systematische Bewertung der durch Produkt- und Markenpiraterie hervorgerufenen Schäden vor. Auch ist das Management der Risiken durch Produkt- und Markenpiraterie häufig nicht professionell genug: Zwar sind strategische Entscheidungen zum Markenschutz in 77 Prozent der befragten Unternehmen inzwischen Chefsache. Für deren Umsetzung sind aber zumeist immer noch einzelne Abteilungen - in aller Regel die Rechtsabteilung - zuständig: 72 Prozent der Unternehmen haben juristische Maßnahmen zum Schutz der Marke bereits umgesetzt.
Für einen wirksamen und umfassenden Schutz vor Plagiaten reicht das aber nicht aus: „Wer es den Fälschern wirklich schwer machen möchte, muss die gesamte Wertschöpfungskette einschließlich Vertrieb im Blick behalten. Sonst ist zwar das Schiff gut gesichert, aber der Zugang stünde den Piraten immer noch weit offen", sagt Schommer.
Zur Studie: www.ey.com/Global/assets.nsf/Germany/Studie_Produktpiraterie_2008/$file/Studie_Produktpiraterie_2008.pdf

